Mehr Brutto vom Netto: Lohnsteuerfrei vom Arbeitgeber

von Kasseler-Anwalt.de für den Bereich Steuerrecht
Mehr Brutto vom Netto: Lohnsteuerfrei vom Arbeitgeber
Wer kennt das nicht: Da freut man sich über die Lohnerhöhung und am Ende stellt man fest, dass aus dem hohen Bruttozuwachs unterm Strich kaum etwas übrig bleibt. Es geht allerdings auch anders: Arbeitgeber können Mitarbeitern Vorteile gewähren - ohne das die Steuer einen Großteil davon auffrisst.  

Arbeitskleidung

Wer für seinen Job Arbeitskleidung benötigt, kann diese vom Arbeitgeber umsonst oder verbilligt erhalten und muss dafür keine Steuer zahlen. Zumindest gilt dies für Arbeitskleidung, von der nicht zu erwarten ist, dass sie auch im privaten Bereich getragen wird, wie Uniformen zum Beispiel. Kann davon ausgegangen werden, dass der Arbeitnehmer die Arbeitskleidung auch privat nutzt, stellt die Überlassung einen geldwerten Vorteil dar und ist somit steuerpflichtig.

Aufmerksamkeiten

Bis zu einem Wert von 40 EUR darf der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer Aufmerksamkeiten zukommen lassen, die nicht versteuert werden müssen. Hier ist an kleine Geschenke zu besonderen Anlässen gedacht, wie ein bestandenes Examen oder ein runder Geburtstag. Diese Aufmerksamkeiten müssen unbar erfolgen. Geldzuwendungen hingegen sind immer steuerpflichtig und werden zum Arbeitslohn gerechnet.

Auslagenersatz

Fallen dem Arbeitnehmer Auslagen für seinen Arbeitgeber an, werden sie steuerfrei erstattet. Voraussetzung: die Ausgaben müssen einzeln, zum Beispiel mit Rechnung, abgerechnet werden. Hierzu zählen Telefongebühren für geschäftliche Anrufe, die Parkgebühren für einen Dienstwagen, Bewirtung von Geschäftsfreuden und die Bahncard.

Fallen Ausgaben regelhaft an und sind gleichbleibend hoch, kann in Ausnahmefällen, und wenn die Regelhaftigkeit der Ausgaben über einen beispielhaften Dreimonatszeitraum belegt wurde, auch pauschal abgerechnet werden, ohne dass Steuern anfallen.

Belegschaftsrabatt

Bis zu einer Höhe von 1080,-- EUR jährlich bleiben für Betriebsangehörige lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei für geldwerte Vorteile durch die Betriebszugehörigkeit. Dabei wird der geldwerte Vorteil wie folgt berechnet: Brutto-Verkaufspreis minus 4 Prozent Abschlag. Diesen Freibetrag kann ein Arbeitnehmer pro Arbeitgeber in Anspruch nehmen. Das meint: Wechselt der Angestellte innerhalb eines Steuerjahres den Arbeitsplatz, so kann er den Vorteil auch bei dem neuen Arbeitgeber empfangen. Gleiches gilt, wenn der Arbeitnehmer zwei Verträge mit unterschiedlichen Arbeitgebern gleichzeitig hat.

Betriebsfeiern

Zweimal pro Jahr darf der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern das Feiern oder einen Ausflug zahlen. Dafür stehen pro Mitarbeiter 110,-- EUR pro Veranstaltung steuerfrei zur Verfügung. Nehmen neben den Mitarbeitern auch deren Angehörige teil, sind die Ausgaben für diese den Kosten des Mitarbeiters hinzuzurechnen.

Sind mehr als zwei Veranstaltungen pro Jahr vorgesehen oder übersteigen die Kosten die 110,-- EUR-Grenze, sind die Ausgaben als steuerpflichtiger Arbeitslohn anzusehen. Zur Vermeidung kann der Arbeitgeber mit den Arbeitnehmern vereinbaren, dass sie die den Grenzbetrag übersteigenden Ausgaben selbst tragen.

Kredit

Bietet der Arbeitgeber den Arbeitnehmern günstige oder gar zinslose Kredite an, so kann bis zu einer Darlehenshöhe von 2600,-- EUR keine Steuer auf die gesparten Zinsen erhoben werden. Ist die geliehene Summe geringer und der Zinssatz liegt unter 5 Prozent, so wird der gesparte Zins lohnsteuerpflichtig. Angestellte von Banken und anderen Kreditinstituten erhalten den günstigen Kredit als Personalrabatt. Hier gelten die den Personalrabatt betreffenden Regelungen.

Doppelte Haushaltsführung

Nicht jeder kann an seinem Wohnort arbeiten. Kommt es zur Führung eines zweiten Haushaltes aus Gründen der Erwerbstätigkeit, sind Kosten bis zur Höhe der Werbungskosten lohnsteuerfrei vom Arbeitgeber übernommen werden. Als Kosten, die der Arbeitgeber übernehmen kann, gelten Fahrtkosten aufgrund des Wohnungswechsels und bei dessen Beendigung, eine Entfernungspauschale von 0,30 EUR pro Kilometer, Mehraufwand für Verpflegung innerhalb eines Übergangszeitraumes von drei Monaten, die Kosten für die Zweitwohnung komplett sowie die Umzugskosten.

Fortbildung

Übernimmt der Arbeitgeber die Kosten für eine Fort- oder Weiterbildung, stellt dies keine lohnsteuerpflichtige Einnahme dar. Voraussetzung: Die Schulung findet im betrieblichen Interesse statt. Von diesem Interesse wird ausgegangen, wenn der Arbeitnehmer durch den Lehrgang zu verbesserter Einsatzfähigkeit im Betrieb gelangt.

Kinderbetreuungskosten

Unterhält der Arbeitgeber in seinem Betrieb einen Kindergarten für die Kinder der Mitarbeiter, stellt dessen Inanspruchnahme keine lohnsteuerpflichtige Einnahme dar. Gleichfalls ist die Übernahme der Kosten an anderweitiger Stelle für nicht schulpflichtige Kinder der Mitarbeiter ohne steuerliche Relevanz.

Lohnzuschlag

Arbeitet der Arbeitnehmer auch an Sonn- und Feiertagen sowie nachts sind Zuschläge zum Lohn nicht steuerpflichtig. Das gilt, solange sie innerhalb folgender Grenzen bleiben: 25 Prozent für Nachtarbeit, 50 Prozent für Sonntagsarbeit. Feiertags und am 31.12 ab 14 Uhr dürfen 125 Prozent mehr gezahlt werden. Für Arbeiten am 24.12 ab 14 Uhr, ganztägig am 25.12 und 26.12 sowie am 1.5 gar mit 150 Prozent.

Trinkgeld

Erhält der Arbeitnehmer Trinkgelder von Dritten, zählen diese nicht zum Arbeitslohn und werden dementsprechend auch nicht versteuert.


Der Autor übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben. Bedenken Sie, dass sich die Gesetzeslage ständig ändert. Fragen Sie zur Sicherheit bei Ihrem Steuerberater oder Ihrem Rechtsanwalt für Steuerrecht nach! 

Foto: Gina Sanders, Fotolia


06/2012
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